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13.07.2020

Keine Angst vor der generalistischen Pflegeausbildung

Ab September wird der Mensch in seiner gesamten Lebensspanne in den Blick genommen

Nürnberg/ Penzberg/ Weißenburg – Bisher waren die Ausbildungen in Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege voneinander getrennt. Ab September startet die neue generalistische Pflegeausbildung. „Darin liegt für die Pflegeausbildung Chance und Herausforderung zugleich“, sagt Diakon Johannes Mahlmann, der die Einführung der Ausbildungsreform übergreifend an allen drei Pflegefachschulen der Rummelsberger Diakonie in Nürnberg, Penzberg und Weißenburg koordiniert. Die Herausforderung bestehe darin, dass alle Beteiligten – also Praxisausbildungsstellen wie ambulante Pflegedienste, Krankenhäuser und Senioreneinrichtungen sowie Berufsfachschulen – von ihrem bisherigen Bild der Pflegeausbildung abrücken müssten, so der Experte. „Darin steckt aber auch eine große Chance, eine gemeinsame Ausbildung zu gestalten.“ Die Zusammenarbeit werde künftig enger, indem regionale Ausbildungsverbünde und Netzwerke entstünden.

In den Pflegefachschulen werde die Auseinandersetzung mit praxisnahen Lernsituationen erheblich an Bedeutung gewinnen, weiß Mahlmann. Er macht die veränderte Pflegeausbildung an drei Praxisbeispielen deutlich:

1. Praxisbeispiel Demenz

Bereits im ersten Ausbildungsjahr beginnen die Auszubildenden sich mit dem Thema Demenz auseinander zu setzen. In verschiedenen Lernsituationen erfahren sie mehr über die entsprechenden Krankheitsbilder, Pflegeansätze und gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Dabei helfen realitätsnahe Fallsituationen, die von den Schulen in Zusammenarbeit mit den Praxiseinrichtungen entwickelt wurden. So wird zum Beispiel in der Situation „Erzähl mir Deine Geschichte“ das Thema Biografiearbeit bei einem demenziell erkrankten Mann beleuchtet. Die Lernenden erwerben so alle Kompetenzen, um in dieser Situation professionell zu handeln. Während ihrer Praxiseinsätze in einer Einrichtung der Altenhilfe lernen sie dann, das erworbene Wissen zur Biografiearbeit bei der Aufnahme eines neuen Bewohners mit einer demenziellen Erkrankung anzuwenden.

2. Praxisbeispiel Geburt

Die Geburt eines Kindes, die Begleitung und Beratung der Eltern, die pflegerische Betreuung danach sowie die Zusammenarbeit mit weiteren Berufsgruppen bildet einen weiteren Lernkomplex. Die Auszubildenden erwerben hier Fähigkeiten in der Einschätzung von Neugeborenen und des Beratungsbedarfes junger Eltern. Außerdem lernen sie typische pflegerische Maßnahmen wie die Nabelpflege kennen. Im praktischen Einsatz – zum Beispiel auf einer Wöchnerinnenstation – können sie dieses Wissen dann praktisch anwenden. Darüber hinaus hilft Wissen über die frühkindliche Entwicklung auch im Verständnis für Störungen und Krankheiten in späteren Lebensphasen.

3. Praxisbeispiel Krebserkrankung

Krebserkrankungen sind vielfältig und kommen in jedem Lebensalter vor. Auch hier greift der generalistische Ansatz der Pflegeausbildung besonders gut. Die Auszubildenden lernen die unterschiedlichen Anforderungen und Bedingungen von betroffenen Menschen aller Altersstufen kennen: ein Kind, dass an einer Leukämie erkrankt, eine Frau in mittlerem Lebensalter, bei der plötzlich Brustkrebs diagnostiziert wird, und ein älterer Mann, der mit einem fortgeschrittenen Lungenkarzinom ringt. In diesen ausgewählten Lernsituationen wird die Vielfältigkeit der Ausbildung deutlich. Auszubildende kennen Entstehungsmechanismen, diagnostische und therapeutische Konzepte onkologischer Erkrankungen, können pflegerische Interventionen auf die jeweilige Situation angepasst auswählen und anwenden und wissen um die vielfältigen emotionalen und sozialen Belastungen, die mit einer Krebserkrankung einhergehen. Die pflegerische Begleitung eines Kindes mit seiner Familie muss hier anders aussehen als die eines älteren Menschen. Sich dieser Unterschiede, aber auch der Überschneidungen in der Pflege bewusst zu sein und das eigene berufliche Handeln darauf ausrichten zu können, ist das Wesen generalistischer Pflege.

Die neue Pflegeausbildung ist also sehr vielfältig und ermöglicht den Absolventinnen und Absolventen die Arbeit in allen Bereichen der Pflege. „Das macht sie attraktiv“, sagt Experte Mahlmann. Er fürchtet nicht, dass später alle im Krankenhaus arbeiten möchten und es in Senioreneinrichtungen zu einem noch verschärften Mangel an Fachkräften kommen wird. „Wer daran interessiert ist, eine längerfristige Bindung mit den zu Pflegenden aufzubauen, wird sich eher für die Arbeit im Pflegeheim entscheiden.“

Wer sich für die generalistische Pflegeausbildung interessiert, benötigt einen mittleren Schulabschluss oder einen Hauptschulabschluss plus Ausbildung zur Pflegehilfskraft. Die generalistische Ausbildung dauert unverändert drei Jahre und teilt sich wie bisher in theoretischen Unterricht und Praxiseinsätze, wobei der praktische Teil überwiegt. Bewerben können sich Interessenten sowohl bei Pflegefachschulen als auch bei Praxiseinrichtungen.


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